Im Interview: Saskia Obluda, zukünftige stellvertretende Leitung im Hospiz Sirius

(14.07.2020) Wenn das Hospiz Sirius in Betrieb geht, wird Saskia Obluda vom Ambulanten Palliativdienst Bremen zum Hospiz Sirius wechseln, um als stellvertretende Hospizleitung Karola Rumpf zu unterstützen. 

Die 35-Jährige ist Pflegefachkraft mit der Zusatzqualifikation Palliativ Care. Sie lebt seit 2016 in Bremen, wo sie zunächst in einem stationären Hospiz arbeitete. 2019 fing Saskia Obluda beim Ambulanten Palliativdienst an, für den sie vorher bereits auf 450 Euro-Basis tätig war. 

Frau Obluda, was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Ich spüre, es ist Zeit für etwas Neues. Ich möchte mich gerne beruflich und auch persönlich weiter entwickeln und bin bereit mehr Verantwortung zu übernehmen. Außerdem reizt mich das Projekt „neues Hospiz“, denn man kann sich noch mal ganz anders einbringen, verwirklichen und mit kreieren. Ich bin voller Elan und Tatendrang und habe große Lust darauf, das Projekt sozusagen „aus den Kinderschuhen zu heben“. 
Und ich freue mich ganz besonders auf die neuen Kollegen und Kolleginnen und die neue Umgebung. Es wird spannend, das Haus mit Leben zu füllen, neue Rituale zu erschaffen und den Arbeitsalltag zu gestalten.

Natürlich werde ich meine Kolleginnen vom Palliativdienst vermissen, aber da das Büro der Alfred- Faust-Straße mit umzieht, ist zumindest ein Teil des Teams nicht allzu weit weg. 

Was sollte man mitbringen, wenn man Sterbende in einem Hospiz oder zu Hause begleitet?

Wichtig sind Dinge wie Zwischenmenschlichkeit und soziale Kompetenzen, zum Beispiel Freundlichkeit, Zuverlässigkeit, Kommunikationsfähigkeit, interkulturelle Kompetenzen und Einfühlungsvermögen. 
Man muss in der Lage sein, selbstständig, kompetent und selbstreflektiert, aber ebenso gut im Team, zu arbeiten. Man sollte tatsächlich belastbar sein und eigene gute Bewältigungsstrategien haben – und ganz viel Humor.
Aber auch der Mut zu weinen und mitzufühlen schaden nicht. 

Eine Palliativ Care-Ausbildung wäre ebenfalls hilfreich, aber wer die Bereitschaft und den Willen mitbringt, kann die immer machen.  

Ist es eine Belastung für Sie, Menschen beim Sterben zu begleiten? Wie verarbeiten Sie das?

Natürlich ist es mal etwas schwerer und mal etwas leichter – je nachdem welche Beziehung man zu dem Menschen und den Angehörigen aufbauen konnte und wie der Krankheitsverlauf war. Und es kommt auch darauf an, wie es mir in der Zeit gerade privat geht. In Zeiten von Corona habe ich beispielsweise gemerkt, dass es mir oft schwerer fällt, weil natürlich das Privatleben und vor allem der Kontakt zu anderen Menschen eingeschränkt ist. 

Bei der Verarbeitung ist für mich zum einen wichtig, mich mit Kollegen und Kolleginnen austauschen zu können und darüber zu reden. Außerdem habe ich ganz wunderbare Freunde, die immer für mich da sind, um mich wieder zu erden und ins Hier und Jetzt zurückzuholen. Ich gehe gerne unter Menschen und bin sehr gesellig. Aber ich mag es auch in der Natur zu sein, mache regelmäßig Yoga und meditiere.